Gesellschaftswissenschaftlicher Bereich

Podiumsdiskussion mit Politikern an der Einhardschule

,,Politik ist zum Gestalten da und nicht zum Verwalten“

Von Sophie Wissel und Clara Sauter

podiumgruppeDie jährlich an der Einhardschule stattfindende politische Projektwoche der Jahrgangsstufe Q1 endete auch dieses Mal mit einer interessanten Podiumsdiskussion, zu der Vertreter verschiedener Parteien auf Landesebene eingeladen waren. So kam es zu einer spannenden Diskussion zwischen Tuna Firat (SPD), Janine Wissler (Die Linke), Michael Schüssler (FDP) und Dr. Robert Rankl (AfD) unter Leitung des Moderatorenteams, bestehend aus Christoph Arnold, Colin Bayer, Max Huber, Marco Schreiner und Julius Wagner. Die sehr kurzfristige Absage seitens der CDU sowie der Grünen war sehr bedauerlich und hätte das Meinungsbild sicher ergänzt. In eineinhalb Stunden wurden Themen wie Umwelt-, Sozial, Sicherheits- und Flüchtlingspolitik und auch die aktuellen Geschehnisse in Chemnitz behandelt.

Bei dem Thema Umweltpolitik war klar zu erkennen, dass der rasant voranschreitende Klimawandel von Seiten aller Parteien als eine ernste Gefahr gesehen wird. „Ein Sommer wie dieser wird zur Normalität. Wir müssen anfangen etwas dagegen zu tun,“ erklärte Janine Wissler (Die Linke). Im Hinblick auf die Ursachen und den Einfluss von Deutschland spalteten sich jedoch die Meinungen deutlich. Nach Dr. Robert Rankl (AfD) wird der Klimawandel durch die Erdbevölkerung verursacht und sei nicht mehr aufzuhalten. „Wer meint, in Deutschland maßgeblich das Klimaproblem ändern zu können, liegt falsch.“ Michael Schüssler (FDP) schreibt sowohl der Regierung als auch der Bevölkerung eine klare Verantwortung zu. Es müssten jedoch Konsequenzen gezogen werden, um ,,alles in den Griff zu bekommen und unserer Vorbildrolle gerecht zu werden.“

Bei dem Thema Sozialpolitik wurde ein besonderer Fokus auf die Altersvorsorge gelegt. Michael Schüssler von der FDP blieb seiner Aussage treu, dass die Investition in Aktien eine Altersvorsorge am besten garantiere. Somit sei jeder für sich selbst verantwortlich, wenn es zur Frage der Rente kommt. Von Seiten der SPD wurde dies jedoch klar abgelehnt. Tuna Firat vertrat die Meinung, dass die Rentner nicht als Verantwortliche und Schuldige dastehen sollen und beschrieb die gesetzliche Rente als „sehr bröckelig“. Firat betonte dagegen die Aufgaben des Sozialstaates, damit es nicht zur Altersarmut komme. Janine Wissler (Die Linke) stärkte diese Aussage mit der Äußerung: „Deutschland ist ein reiches Land und ist die letzten Jahre reicher geworden. In so einem reichen Land darf es keine Altersarmut geben“.

Als das Moderatorenteam unter dem Thema Sicherheitspolitik die Geschehnisse in Chemnitz ansprach, äußerte sich Dr. Robert Rankl (AfD) folgendermaßen: „Emotionalisierung fand in Chemnitz statt. Das Klima in Deutschland hat sich verändert und wird sich weiter verändern“. Mit dem Satz: „Die Täter sollen endlich bestraft werden und in ihr Land zurückgehen!“ stieß er auf harte Kritik der anderen Parteien. Michael Schüssler (FDP) erklärte, die Ausschreitungen der Rechtsextremisten seien nicht tolerierbar. Auch Tuna Firat befürchtete, wenn der Rechtsstaat sich nicht verteidige, gebe es keine Sicherheitsgarantie mehr. Zudem kritisierte er besonders die AfD. Sie verschärfe die Spaltung der Gesellschaft. Janine Wissler äußert sich dahingehend, dass Sicherheit von jedem anders definiert werde, aber das Sicherheitsgefühl allgemein verbessert werden solle. Jeder Form von Rassismus und Antisemitismus müsse der Kampf angesagt werden.

Als weiteres Unterthema der Sozialpolitik wurde auch die Wehrpflicht angesprochen. Die jeweiligen Vertreter der FDP, SPD und Die Linke äußerten sich negativ dazu, indem sie sagten: „Ich bin für Abrüstung auf allen Seiten“ (Die Linke), „Wir dürfen zurecht kritisieren, dass Waffen exportiert werden“ (SPD) und „Wir brauchen eines nicht, die Wehrpflicht.“ (FDP).

Das letzte große Thema der Diskussion war die Flüchtlingspolitik. Zu der Frage, wer für die Fluchtursachen verantwortlich sei, waren Michael Schüssler, Tuna Firat und Janine Wissler einer Meinung: Deutschland sei unter anderem ein Verursacher der Flüchtlingskrise. „Wir sollten gemeinsam das Problem solidarisch lösen können und nicht so arrogant sein, dass wir meinen uns isolieren zu können“, so Tuna Firat (SPD). Ganz anderer Meinung war jedoch Dr. Robert Rankl. Er meinte: „Hier in Deutschland ist eine Asylindustrie entstanden, welche so nicht funktionieren kann. Solange Flüchtlinge aufgrund von politischen Zielen nach Deutschland kommen, können sie gerne bleiben und mit Arbeit beschäftigt werden. Doch sobald sie rein aus wirtschaftlichen Gründen kommen und die Vorteile in Deutschland nutzen wollen, sollen sie zurück in ihre Heimat, um diese wiederaufzubauen.“.

Im Anschluss an die Podiumsdiskussion bot sich für die Schüler und Schülerinnen die Möglichkeit, Fragen zu stellen, die im Laufe der Woche, in der sie sich in Gruppen mit den Themen und den Parteien befasst hatten, entstanden waren. Alles in allem war dies eine sehr informative Veranstaltung, die die unterschiedlichen Meinungen der Parteien zu den zentralen politischen Themen offenbarte.

Zeitzeugengespräch an der Einhardschule

Zeitzeuge Porträt

Seligenstadt, 20.5.2018. Durch den Kontakt zu Gisela Meutzner von der Stadtführergilde Seligenstadt war es möglich, das Projekt „Zeitzeugen“ an der Einhardschule wiederaufleben zu lassen. Der Zeitzeuge Heinz Hesdörffer berichtete Anfang Mai im Forum der Einhardschule Schülerinnen und Schülern der Oberstufe von seinem Leben während der NS-Zeit und stand auch für Fragen zur Verfügung.  Vorbereitet wurden die Fragen von Jessica Petz, Niklas Engel, Natalie Stele, Melisa Rumenjak aus der Q2, aber auch die Schülerinnen Alina Dambacher, Marie Haas und Marlene Weiß aus der Jahrgangsstufe acht engagierten sich für das Projekt.

Zum Auftakt der Veranstaltung erhielten die Lernenden einen Einblick in Heinz Hesdörffers Leben, das im Film „Schritte ins Ungewisse“ festgehalten wurde. Der Film entstand im Jahr 2013 in Zusammenarbeit einer Jugendgruppe mit dem Bildungswerk Heinz Hesdörffer.

Sehr plastisch erfuhren die Zuhörer, wie es ist, wenn man plötzlich nicht mehr dazugehört. Unter 600 Schülern war Hesdörffer 1933 der einzige jüdische Junge auf der Oberschule in Bad Kreuznach. Er war ein guter Schüler, wurde aber nun von den Mitschülern gequält. Die Lehrer schauten einfach weg.

Ende März 1938 verließ der 16jährige mit seinem 13jährigen Bruder Deutschland. Mit einem Kindertransport erreichten sie Holland. Versuche, die Mutter nach Holland zu holen, scheiterten; sie wurde deportiert. Die beiden Brüder waren nun auf sich gestellt. Sie wurden in Holland in das Internierungslager Westerbork gebracht. Von dort aus wurde der jüngere Bruder Paul im Jahr 1942 nach Auschwitz transportiert. Heinz Hesdörffer kommt zunächst nach Theresienstadt, aber auch er wird im Mai 1944 schließlich nach Auschwitz gebracht. Dazu heißt es in Hesdörffers Buch: „Wer Auschwitz mitgemacht hat, weiß, dass es besser und schmerzloser war, am ersten Tag vergast zu werden, als den Gewaltakten von Capos, Blockältesten, SS-Schergen, SS-Ärzten ausgesetzt zu sein.“

Von Auschwitz ging es in ein Ostarbeiterlager in der Niederlausitz. Hier musste Hesdörffer körperliche Schwerstarbeit verrichten. Er meldete sich krank, was seinen Rücktransport nach Auschwitz bedeutet hätte, doch es kam nicht mehr dazu. Am 16. August 1944 fielen die ersten Bomben der Alliierten. Vielen Gefangenen brachten sie den Tod. Die Überlebenden wurden hastig verlegt, vom Lager Sachsenhausen mussten die völlig entkräfteten Häftlinge den Todesmarsch antreten. Doch wurden sie schließlich nach zwölf Tagen am 2. Mai 1945 von der Roten Armee befreit. Für Heinz Hesdörffer bedeutete dies das Ende von mehr als zwölf Jahren Verfolgung.

Für die jugendlichen Zuhörer eine schier unglaubliche Biografie, die aber durch die Anwesenheit des mittlerweile 95-jährigen Hesdörffer eine ungeheure Präsenz erhielt, so die beiden Organisatorinnen der Veranstaltung, die Lehrerinnen Barbara Koch und Bianca Klouth. (Foto: Erhard Bonifer)

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