Einhardschülerin Betty Barth beim „Schreibzimmer 2016“

 

Betty Web

Seligenstadt, 29.3.2017. „Ich habe sehr viel Spaß mit Gedichten“, erklärt die Einhardschülerin Betty Barth. Angeregt durch ihre Deutschleistungskurs-Lehrerin Sonja Muschkowski lag es für Betty also nahe, sich beim Lyrik Schreibzimmer 2016 zu bewerben. Immerhin 60 junge Schreibtalente hatten ihre Werke beim renommierten Frankfurter Literaturhaus eingesandt, 24 wurden ausgewählt, darunter Betty, deren Gedichte den Workshopleiter überzeugen konnten. Damit stand einer Einladung zu den drei Lyrik- Workshop -Wochenenden im Spätherbst vergangenen Jahres nichts mehr im Wege. Geleitet wurde der Workshop dieses Jahr von dem Berliner Schriftsteller Björn Kuhligk.

Für Betty waren die drei Wochenenden eine echte Bereicherung für ihr literarisches Schaffen. Sie erklärt dazu, dass sie durch Kuhligk gelernt habe, sich von alltäglichen Situationen inspirieren zu lassen und diese in Gedichte umzusetzen. Einen krönenden Abschluss fand das Schreibzimmer Ende Februar mit einer Abschlusslesung aller Teilnehmer im Literaturhaus. Zudem wurden die Ergebnisse der Workshops in einer Anthologie zusammengetragen, in der man natürlich auch Bettys Gedichte findet.

Es ist bereits das zweite Mal, dass jemand aus der Schülerschaft der Einhardschule an einem Workshop im Literaturhaus teilgenommen hat. Für den mittlerweile erfolgreichen Jungschriftsteller Juan Guse war das Schreibzimmer die Initialzündung für seinen Entschluss, Schriftsteller zu werden.

Bettys Eindrücke vom Schreibzimmer 2016

Worte finden sich überall: Auf Plakaten, Papier und Stein, in Häusern und auf öffentlichen Plätzen, in deinem Kopf. Sie begleiten dein ganzes Leben. Du kannst dich damit verständlich machen und dich ausdrücken, aber auch damit spielen- genau das ist es, was mir Spaß macht. Und für mich ist Spiel mit Sprache am spannendsten, wenn die Worte selbst Gegenstand des Spiels sind; wenn Variationen in Wortwahl oder Betonung schon Unterschiede ausmachen. Ich habe also sehr viel Spaß mit Gedichten.

Der Flyer ist in Gelb, Grau und Weiß gehalten und zeigt einen Schreibblock und mehrere Hände. Schreibzimmer 2016. Prosa/Lyrik. Du bist zwischen 14 und 18 Jahre alt? Bewirb dich! Ja, wieso nicht? Eine E-Mail und mehrere Wochen später bekomme ich eine Antwort: Die Bewerbungen sind eingegangen, alle Texte wurden sorgfältig gelesen...

und DU BIST DABEI!

Beim Schreibzimmer habe ich mich hauptsächlich beworben, weil ich mich mit mehr Gleichgesinnten treffen wollte, um das Schreiben jenseits meines eigenen Tellerrandes kennenzulernen. Ich wollte mit anderen Schreibbegeisterten zusammensitzen und über Gedichte reden- zu Hause ein Ding der Unmöglichkeit!

Im Schreibzimmer treffe ich tatsächlich auf andere junge Menschen, die genauso gern schreiben wie ich; trotzdem ist es komplett anders, als ich erwartet habe. Unsere Schreibstile sind so unterschiedlich! Auch wenn wir alle mit dem gleichen Titel und denselben Schlagworten arbeiten, sind keine zwei Gedichte auch nur annähernd gleich- das Ergebnis ist faszinierende Vielfalt und ein Produktivitätsschub.

Dazu trägt natürlich auch Björn bei, unser Workshopleiter, der uns zu jeder neuen Runde mit neuem Input versorgt- hauptsächlich mit Inhalten. Er sagt, wir können immer und überall Gedichte schreiben und wir sollten es mal ohne Reimzwang versuchen. So erteilt er uns denn auch prompt Reimverbot und wir schreiben reimlos über Mauersegler, Blumen, eine Kunstgalerie, Dinge, auf die wir niemals selbst gekommen wären.

Natürlich trägt auch das zu unserem Enthusiasmus bei und Unsicherheiten gegenüber eigenen Werken sind schnell ausgeräumt. Björns zwei charakteristische Äußerungen sind „Liest du´s noch mal?“ und, wenn nachdem der Angesprochene das getan hat, „Wie findet ihr´s?“ Die Antworten darauf bestehen ausschließlich aus Lob und konstruktiver Kritik- wir wollen uns schließlich verbessern, einfache Ablehnung hilft da wenig. Und so werden Dichter und Gedichte gleichermaßen erweitert, bereichert und verbessert.

Über die drei Wochenenden des Workshops hinweg reißt der Reiz des Neuen niemals ab. Wir lernen von Björn nicht, wie man schreibt- das können wir ja schon- sondern eher, was ein Gedicht ausmacht und dass wir immer eins schreiben und nach einem halben Leben immer noch kürzen und verändern können. Gedichte werden niemals fertig. Und Dichter auch nicht- aber lernen geht immer und das Schreibzimmer ist ein sehr guter Anfang dafür. Und der Spaß, den man beim Schreiben hat, ist sowieso das Wichtigste.

Gerd Berghofer rezitiert Balladen an der Einhardschule

BerghoferSeligenstadt, 7.11.2016. Goethes „Zauberlehrling“ für Schüler lebendig machen, das gelingt dem Rezitator Gerd Berghofer mühelos. Einen Vormittag lang führte Berghofer Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe sieben durch die bekanntesten deutschen Balladen. Berghofer rezitierte aber nicht nur die Balladenklassiker, vom „Erlkönig“ über Heines „Weberlied bis hin zu Hebbels „Füße im Feuer“, sondern sprach auch von dem oftmals bewegten Leben der Autoren.

Er versuchte seinem jungen Publikum auch deutlich zu machen, warum für die Menschen seinerzeit der „Erlkönig“ wirklich gruselig war, indem er beschrieb, wie man damals lebte so ohne Internet und Smartphone. Aber nicht nur Unheimliches oder Politisches standen auf dem Programm, sondern auch Vergnügliches wie Heinz Erhards Erlkönig-Parodie. Schließlich erfuhren die Jugendlichen auch etwas über die Ballade als solches, also ihre Entstehungsgeschichte und ihre besonderen Merkmale, wie zum Beispiel das Erzählerische.

Im Anschluss an den Vortrag hatten die Schüler noch Gelegenheit, Fragen zu stellen. Besonders interessiert zeigten sie sich daran, wie man denn all die Gedichte auswendig lernen könne. Berghofer gab den Tipp, zweimal 20 Minuten zu lernen und dazwischen eine Nacht zu schlafen, dann habe man den Text intus. Gerd Berghofer mit seinem Programm für Schulen gehört mittlerweile zu den Stammgästen an der Einhardschule. Sein Repertoire erstreckt sich von den Balladenklassikern über die expressionistische Lyrik bis hin zu Brecht.

 

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